„Ein Mann kommt uns nicht mehr ins Haus“: Der traurige Grund, warum die Kessler-Zwillinge nie geheiratet haben

Wenn man heute an Alice und Ellen Kessler denkt, tauchen vor dem inneren Auge sofort zwei elegante, hochgewachsene Frauen auf – perfekt synchron, strahlend und energiegeladen. Jahrzehntelang gehörten sie zu den bekanntesten Showgrößen Europas. Auf internationalen Bühnen standen sie neben Stars wie Frank Sinatra oder Fred Astaire, in Italien wurden sie in den 1960er-Jahren zu Ikonen der „dolce vita“-Zeit, in Deutschland galten sie als Botschafterinnen eines neuen, weltoffenen Lebensgefühls.

Doch hinter dem glamourösen Auftreten der Zwillinge verbarg sich ein Lebensweg, der nicht nur von Ruhm und Reisen geprägt war, sondern auch von tief verankerter Vorsicht, emotionalen Narben – und einer klaren Entscheidung: Die beiden wollten nie heiraten.

Warum zwei Frauen, die für viele Männer Traumgestalten waren, die Ehe konsequent mieden, hat eine bedrückende Vorgeschichte. Sie beginnt in ihrer Kindheit – und endet erst mit ihrem gemeinsamen Tod im Alter von 89 Jahren.

„Er hat mir die Wahrheit bis zum Schluss verborgen.“

Diese Zwillinge prägten die Fernsehlandschaft und das Showbusiness – nicht nur in Deutschland, Italien und Amerika, sondern auf der ganzen Welt – über Generationen hinweg und waren bis zuletzt aktiv in der Öffentlichkeit unterwegs. Ihr Tod hat daher sehr viele Menschen getroffen. Generationen, die mit den Kessler-Zwillingen groß geworden sind, trauern.

Alice und Ellen waren unzertrennlich. Auf der Bühne bewegten sie sich wie Spiegelbilder, privat lebten sie jahrzehntelang Haus an Haus – später sogar in benachbarten Wohnungen in einem Bungalow, getrennt durch eine Schiebetür. Ihre tiefe Verbundenheit, sagen Freunde, sei das Fundament ihres gesamten Lebens gewesen.

Doch so eng sie einander standen, in einem Bereich gingen sie bewusst getrennte Wege: in der Liebe. Romantische Erlebnisse gab es durchaus, teils leidenschaftlich, teils schmerzhaft. Aber keine Beziehung führte zu dem Wunsch, einen Mann dauerhaft ins gemeinsame Leben zu integrieren.

Ellen sprach später offen darüber, dass die Zwillinge sich nie abhängig machen wollten. Schon als junge Frauen hatten sie klare Vorstellungen: Sie liebten Freiheit, Professionalität, Selbstbestimmung. Eine Ehe erschien ihnen als eine Art Begrenzung – und als mögliches Risiko.

Ellen verliebte sich Anfang der 1960er-Jahre in den italienischen Schauspieler Umberto Orsini. Eine Beziehung, die fast zwei Jahrzehnte hielt.

Anfangs habe er sogar einen Heiratsantrag gemacht. Seinerzeit war die Verliebtheit frisch, und Ellen antwortete „Sì“. Doch der Antrag blieb folgenlos, und sie empfand das rückblickend als Glück. Die Beziehung blieb genau so, wie es für beide passte – unverbindlich genug, um berufliche Freiheiten nicht einzuschränken, und gleichzeitig nah genug, um echte Gefühle entstehen zu lassen.

Doch auch diese Partnerschaft fand eine bittere Wendung. Orsini verliebte sich in eine deutlich jüngere Frau – 26 Jahre jünger als Ellen. Der Vertrauensbruch verletzte sie zutiefst. Die italienische Presse zitierte sie später mit den Worten: „Er hat mir die Wahrheit bis zum Schluss verborgen.“

Diese Erfahrung hinterließ Spuren. Und sie verstärkte ein Gefühl, das Ellen seit der Kindheit kannte: Beziehungen können wanken, Menschen können entgleiten – doch die Verbindung zu Alice war unerschütterlich.

Auch Alice liebte – und litt. Unter anderem verband sie eine Beziehung mit dem französischen Chansonnier Marcel Amont. Sie war zudem mehrere Jahre mit einem italienischen Regisseur liiert. Doch keiner der Männer blieb. Auch sie wurde betrogen.

Trotz der Enttäuschungen verlor Alice nie ganz den Glauben an die Liebe. Noch 2020 sagte sie: „Ich hätte nichts dagegen, mich mal wieder zu verlieben.“

Ein Satz, der beinahe jugendlich wirkt – und zeigt, dass die Kessler-Frauen Liebeskummer kannten, aber niemals Bitterkeit. Sie hielten sich das Herz offen, doch sie hielten immer Abstand zu etwas, das ihnen Angst machte: Bindung um jeden Preis.