„Das ist mein Papa!“ Der herzzerreißende Schrei eines armen Jungen in der Villa einer Millionärin deckte einen dunklen und grausamen Verrat auf.

Er ist bei mir zu Hause und liegt im Sterben!“, schrie Mateo verzweifelt weinend.

Noch bevor Catalina den Wahnsinn dieser Worte begreifen konnte, hallte eine kalte und herrische Stimme von oben an der Treppe wider.

Es war Doña Elena, Catalinas Mutter, eine Matriarchin der High Society, die für ihre Grausamkeit bekannt war.

Als sie das Gesicht des Jungen sah, wurde die alte Frau schlagartig blass, umklammerte ihren silbernen Stock und schrie die Wachleute an: „Schafft diesen dreckigen Betrüger sofort aus meinem Haus und schließt die Türen!“

Catalina sah in die Augen des Jungen, die exakt denselben Augen glichen wie die des Mannes, den sie geliebt hatte.

Dann sah sie die pure Angst im Gesicht ihrer Mutter, und ein Schauer lief ihr über den Rücken.

Es war unmöglich, sich vorzustellen, was gleich geschehen würde …

TEIL 2

„Niemand wird ihn anfassen!“, brüllte Catalina und stellte sich zwischen die Sicherheitsleute und den kleinen Mateo.

Die Villa, die immer ein Tempel der Stille und Haltung gewesen war, füllte sich plötzlich mit einer unerträglichen Spannung.

Doña Elena kam wütend die Stufen hinab, ihre Augen auf den Jungen gerichtet, als wäre er eine dämonische Erscheinung.

„Catalina, sei nicht dumm!

Das ist ein billiger Trick!

Dieser Straßenjunge will dir nur Geld aus der Tasche ziehen.

Tomás ist bei diesem Unfall auf der Straße nach Cuernavaca verbrannt.

Du selbst hast den Polizeibericht gesehen!“

Doch Catalina hörte ihr nicht mehr zu.

Sie kniete sich vor Mateo nieder, ohne auf den Staub zu achten, der ihr Designerkleid beschmutzte, und nahm die kleinen verletzten Hände des Jungen.

„Wo ist dein Papa?

Bring mich zu ihm.

Jetzt.“

„Wenn du mit diesem Hungerleider durch diese Tür gehst, enterbe ich dich, Catalina!“, drohte Doña Elena und schlug mit ihrem Stock auf den Boden.

Ihre Stimme zitterte nicht vor Wut, sondern vor einer absoluten Panik, wie Catalina sie noch nie bei ihr gesehen hatte.

Diese Panik war die Bestätigung, die Catalina brauchte.

Ohne ein weiteres Wort nahm sie Mateo an der Hand, hob eilig die Holzstücke vom Boden auf und verließ die Villa.

Sie stiegen in ihren gepanzerten Geländewagen, und der Fahrer erhielt den Befehl, in Richtung der armen Viertel im Osten der Stadt zu rasen.

Der Kontrast war brutal.

Sie ließen die baumbestandenen Straßen und Luxusboutiquen hinter sich und fuhren in ein Labyrinth aus engen Straßen, Schlaglöchern, Straßenständen und verhedderten Kabeln.

Sie erreichten eine Mietskaserne mit abblätternden Wänden.

Mateo rannte durch einen dunklen Flur bis zu Zimmer Nummer 4 und stieß die morsche Holztür auf.

Dort, auf einem improvisierten Feldbett, lag Tomás.

Sein Körper, der einst der eines starken, lebensfrohen jungen Mannes gewesen war, war nun völlig ausgezehrt.

Seine Haut war gräulich, und jeder Atemzug klang wie ein schmerzhafter Pfiff.

Catalina erstarrte auf der Schwelle.

Ihre Knie gaben nach, und sie fiel auf den kalten Zementboden.

Er war es.

Älter, krank, von Armut gezeichnet, aber er war die Liebe ihres Lebens.

Der Mann, um den sie in den letzten zwölf Jahren jede Nacht geweint hatte.

„Tomás …?“, flüsterte sie, das Gesicht von Tränen überströmt.

Tomás öffnete schwer die Augen.

Als er Catalina sah, lag keine Freude in seinem Gesicht, sondern völliges Entsetzen.

Er versuchte, sich gegen die Wand zurückzuziehen, während ihn ein heftiger Hustenanfall schüttelte.

„Geh weg!

Bitte, geh weg!

Wenn deine Mutter erfährt, dass du hier bist … wird sie euch töten.

Sie wird meinen Sohn töten.“

Die Worte fielen wie ein Amboss auf Catalina.

„Wovon redest du?

Tomás, meine Mutter sagte mir, du seist gestorben.

Ich habe an einem leeren Grab geweint.“