„Das ist mein Papa!“ Der herzzerreißende Schrei eines armen Jungen in der Villa einer Millionärin deckte einen dunklen und grausamen Verrat auf.

Mateo, ein zwölfjähriger Junge, ging schlurfend durch die exklusiven Straßen von Las Lomas, einem der reichsten und am strengsten bewachten Viertel von Mexiko-Stadt.

Seine kleinen Finger waren mit Schorf und getrocknetem Blut bedeckt, das von den tiefen Schnitten stammte, die ihm das Schnitzmesser in die Haut gerissen hatte.

Seit ganzen Tagen bearbeitete er Copalholz und fertigte bunte Alebrijes und handgeschnitzte Kreuze an.

Er hatte Pflaster auf die Wunden geklebt, doch der Schweiß und die ständige Reibung sorgten dafür, dass sie sich immer wieder lösten.

An diesem Nachmittag hatte Mateo an siebzehn riesigen Häusern geklingelt, die von hohen Mauern und Sicherheitskameras geschützt wurden.

Bei allen siebzehn wurde er abgewiesen.

Einige Wachleute jagten ihn mit verächtlichen Rufen davon, andere ignorierten ihn einfach, als wäre er unsichtbar.

In seiner gewebten Stofftasche blieben ihm kaum noch acht Holzanhänger, fünf mit Feuer gravierte Lesezeichen und drei kleine Schmuckkästchen.

Jedes Stück war das Ergebnis stundenlanger, erschöpfender Arbeit.

Früher hatte ihm sein Vater Tomás mit der Geduld eines Handwerkers beigebracht, wie man Holz zum Leben erweckt.

„Das Holz spricht zu dir, mein Sohn, du musst ihm nur zuhören“, sagte sein Vater immer in seiner kleinen, staubigen Werkstatt in einer Mietskaserne in Iztapalapa.

Doch jetzt war Tomás zu schwach, um überhaupt noch einen Meißel zu halten.

Mateo verkaufte nicht aus Spaß.

Er tat es, weil die Gesundheit seines Vaters mit jedem Tag mehr erlosch und die medizinischen Schulden ein unüberwindbarer Berg waren.

Der ganze Tag unter der Sonne der Stadt hatte ihm nur 62 Pesos Gewinn eingebracht, und er wusste, dass die Ärzte, die Klinik und die Sauerstoffflaschen mehr als 30.000 Pesos kosteten.

Es fühlte sich an, als versuche er, den Ozean mit einem Plastiklöffel auszuschöpfen.

Mit hängenden Schultern und Tränen, die kurz davor waren hervorzubrechen, blieb Mateo vor der Villa Nummer 82 stehen, der eindrucksvollsten auf der ganzen Allee.

Er war kurz davor aufzugeben und nach Hause zurückzukehren, doch die Erinnerung an diesen Morgen traf ihn wie ein Schlag: sein Vater, der Blut hustete, auf seinem Feldbett nach Luft rang und ihn um Verzeihung bat, weil er ihm kein besseres Leben bieten konnte.