„Wie passend, dass du dieses Erbe gerade jetzt bekommen hast!“, rieb sich Denis erfreut die Hände, kaum dass Nastja nach einem schweren Tag die Wohnungsschwelle überschritten hatte.

„Meiner Schwester Lenka würde eine Wohnung jetzt wirklich nicht schaden.“

Nastja blieb im Flur wie erstarrt stehen und hielt die alten Schlüssel und die Dokumente fest in den Händen.

In ihr wurde alles kalt vor wilder Kränkung und erdrückender Müdigkeit.

Tante Nina hatte ihr die eigene Mutter ersetzt, sie großgezogen und ihr all ihre Liebe und Fürsorge geschenkt.

Nastja hatte sie gerade erst auf ihrem letzten Weg begleitet, und nun stand ihr Mann mitten im Zimmer und verteilte mit glänzenden Augen fremde Quadratmeter.

Dieser konsumorientierte Egoismus von Denis und seiner frechen Verwandtschaft zog sich schon seit Jahren hin, aber jetzt hatte er jede denkbare Grenze überschritten.

— Denis, hörst du dir eigentlich selbst zu? — Nastjas Stimme zitterte, aber sie zwang sich, ihrem Mann direkt in die Augen zu sehen.

— Tante Nina war für mich der engste Mensch überhaupt.

Und du verteilst ihre Wohnung schon an fremde Leute?

Warum sollte sie ausgerechnet deiner Schwester zufallen?

— Was ist denn schon dabei? — empörte sich ihr Mann aufrichtig und machte einen Schritt auf sie zu.

— Lena lässt sich von ihrem Mann scheiden, sie hat mit dem Kind keine Wohnung!

Wir sind eine Familie, wir sind verpflichtet, einander zu helfen.

Wir haben doch sowieso schon eine Zweizimmerwohnung, warum brauchen wir noch eine?

Sie zu vermieten bringt nur Probleme.

So helfen wir wenigstens der Verwandtschaft.

— Eure Zweizimmerwohnung hast du von deinen Eltern bekommen, und ich bin dort nicht einmal gemeldet.

Ich bin dort niemand, — antwortete Nastja hart und kalt.

— Und das hier ist das letzte Geschenk der Frau, die mich großgezogen hat.

Ich werde die Erinnerung an sie nicht deiner Schwester überlassen.

Lena ist eine erwachsene Frau, sie soll selbst arbeiten gehen und sich eine Wohnung mieten.

Denis lief sofort rot vor Wut an.

Seine gutmütige Maske fiel ab und legte sein wahres Gesicht frei.

— Wie gierig du doch bist!

Ich dachte, wir wären eins, und du raffst nur alles für dich zusammen.

Meine Mutter hatte recht, als sie sagte, dass man dir nicht vertrauen kann.

Du bist eine gewöhnliche Egoistin!

— Richte deiner Mutter aus, dass mir ihre Meinung völlig gleichgültig ist, — Nastja streifte die Schuhe ab und ging ins Zimmer.

— Die Wohnung von Tante Nina bleibt meine.

Das Gespräch ist beendet.

Sie legte sich aufs Sofa und drehte sich zur Wand.

Sie hatte keine Kraft mehr, zu streiten und ihre eigene Wahrheit zu beweisen.

In den nächsten Wochen verwandelte sich ihr Leben in eine einzige Hölle.

Denis zermürbte sie mit ständigen Vorwürfen und kaltem Schweigen.

Die Schwiegermutter rief jeden Tag an und beschuldigte die Schwiegertochter der Gefühllosigkeit und Grausamkeit gegenüber Lenas kleinem Kind.

Auch die Schwägerin schickte lange, tränenreiche Nachrichten und appellierte an ihr Mitleid.

Nastja blockierte einfach ihre Nummern und stürzte sich ganz in die Arbeit, um ihren Schmerz irgendwie zu überstehen.

Eines Abends, als Nastja nach der Arbeit nach Hause kam, fand sie ihren Schlüsselbund für Tante Ninas Wohnung nicht mehr.

Denis zuckte unschuldig mit den Schultern und sagte, er habe nichts gesehen.

Zwei Tage später tauchten die Schlüssel in der Tasche ihrer Jacke wieder auf.

Nastja maß dem keine Bedeutung bei — im Stress nach der Beerdigung konnte sie sie wirklich dort hineingelegt und vergessen haben.

Die Zeit verging.

Als der Schmerz über den Verlust ein wenig nachließ, beschloss Nastja, in Tante Ninas Wohnung zu fahren, um in Ruhe alte Fotoalben und Erinnerungsstücke durchzusehen.

Sie trat an die vertraute Tür und drückte auf die Klingel.

Sie wollte die Nachbarn nur warnen, dass es etwas laut werden könnte, weil sie Sachen sortieren würde.

Doch die Tür flog unerwartet auf, und auf der Schwelle stand die breit lächelnde Lena.

Hinter ihr, im Flur, war ein fremder Mann in einem strengen Anzug mit einer Mappe voller Dokumente zu sehen.

— Oh, Nastjenka, hallo!

Wir besprechen hier gerade einen Abschluss, — säuselte die Schwägerin süßlich und versperrte mit ihrem Körper den Eingang zur Wohnung.

— Welchen Abschluss? — Nastja spürte, wie ihr der Boden unter den Füßen wegsackte.

— Was machst du in meiner Wohnung?

Woher hast du die Schlüssel?

Langsam kam Denis aus der Küche.

Als er seine Frau sah, zuckte er zusammen und begann, den Blick zu senken, während er sich mechanisch den Hemdkragen richtete.

— Nastja, nur bitte keine Hysterie, — begann ihr Mann und versuchte, leise zu sprechen.

— Wir verkaufen diese Wohnung.

Wir haben einen sehr guten Käufer gefunden, und er ist bereit, noch heute bar zu zahlen.

— Ihr verkauft sie?! — Nastja drängte Lena kräftig von der Tür weg und trat ein.

— Mit welchem Recht?!

Die Wohnung ist auf mich eingetragen!

Lena grinste erfreut, zog aus ihrer Handtasche einen dicken weißen Umschlag und drückte ihn Nastja frech in die Hand.

— Hier.

Da sind dreißigtausend Rubel drin.

Das ist der Dank unserer Familie für dein Verständnis.

Die Anzahlung vom Käufer haben wir schon bekommen.