Was für eine Schande.
Alexej fühlte, wie ihm das Blut ins Gesicht stieg.
Das war bereits jenseits aller Grenzen.
Sie entwertete nicht nur die Arbeit seiner Frau, sie zog sie durch den Dreck und dachte sich die widerlichsten Szenarien aus, nur um ihren Hass zu rechtfertigen.
— Du redest Unsinn, Mama, — Alexejs Stimme wurde hart.
— Du sagst schreckliche Dinge über einen Menschen, den du nicht einmal versuchst kennenzulernen.
Ira ist eine anständige Frau.
Und sie liebt mich.
— Sie liebt dein Portemonnaie und deine Wohnung! — kreischte Galina Petrowna und verlor die letzten Reste ihrer Beherrschung.
— Sie hat sich wie ein Blutegel an dich gehängt!
Sie hat gesehen, dass du ein guter, weicher Kerl bist, dass man dir auf den Hals steigen und die Beine baumeln lassen kann.
Für sie bist du nur eine Ressource, Lescha!
Sie wird dir alle Säfte aussaugen, während du auf der Arbeit buckelst, und sie selbst wird vor dem Monitor fett werden.
Schau doch, sie ist kein einziges Mal zu mir gekommen, hat nicht den Boden gewischt, nicht die Fenster geputzt!
„Guten Tag, Galina Petrowna“ am Telefon alle halbe Jahre — und das war’s!
Ist das eine Schwiegertochter?
Das ist eine Untermieterin!
— Sie hat vorgeschlagen, dir eine Reinigungskraft zu bestellen, damit die Fenster geputzt werden, — erinnerte Alexej.
— Du selbst hast abgelehnt.
Du hast gesagt, dass du keine fremden Leute im Haus brauchst.
— Natürlich brauche ich die nicht! — bellte die Mutter.
— Ich brauche Aufmerksamkeit!
Respekt!
Und nicht eure Almosen!
Reinigungsservice…
Was für ein ekelhaftes Wort.
Das ist Faulheit, Lescha, gewöhnliche Faulheit und Respektlosigkeit gegenüber den Älteren.
Es ist ihr zu widerlich, sich die Hände schmutzig zu machen, deshalb will sie sich mit fremden Händen freikaufen.
Und du fällst darauf herein.
Zu Hause hält man dich doch für einen Idioten.
Während du arbeitest, sitzt sie da bestimmt mit ihren Freundinnen in Chats und zerlegt dir die Knochen und lacht darüber, wie geschickt sie es sich eingerichtet hat.
Die Luft in der Küche wurde dicht, zäh.
Die Worte der Mutter fielen wie schwere Steine und errichteten eine Wand, gegen die man nicht mehr anschreien konnte.
Galina Petrowna wollte die Wahrheit nicht hören.
Sie brauchte ein Opfer.
Sie brauchte, dass die Schwiegertochter genauso litt, wie sie ihr ganzes Leben gelitten hatte.
Und jede Abweichung von diesem Drehbuch wurde als persönliche Beleidigung wahrgenommen.
Alexej sah seine Mutter an und erkannte in ihren Augen nicht Fürsorge, sondern Gier nach Kontrolle.
Es tat ihr körperlich weh, dass jemand anders anders leben konnte.
Leichter.
Freier.
— Iss doch den Kuchen, — wechselte sie plötzlich den Ton zu einem öligen, mitleidigen Singsang und schob ihm die Schachtel hin.
— Zu Hause wirst du ja bestimmt nur mit Halbfertigprodukten gefüttert.
Du bist ganz abgemagert.
Nur die Mutter denkt an dich, du Narr.
Doch ihm ging kein Bissen mehr durch den Hals.
Alexej verstand, dass man dieses Gespräch nicht einfach dadurch beenden konnte, dass man den Tee austrank.
Heute musste alles klar ausgesprochen werden.
Sonst würde diese giftige Fürsorge seine Familie einfach auffressen.
Alexej schob die Plastikschachtel mit dem Kuchen langsam von sich weg.
Der Appetit war endgültig verschwunden und hatte kalter, klirrender Entschlossenheit Platz gemacht.
Er sah seine Mutter an, die noch immer siegessicher lächelte, weil sie glaubte, ihre Argumente über „echte Arbeit“ hätten die Schwiegertochter völlig erledigt.
Sie verstand nicht, dass sie gerade die Grenze überschritten hatte, hinter der Geduld endet und trockene Beziehungsbuchhaltung beginnt.
— Mama, lass uns über Geld sprechen, — sagte er mit einer gleichmäßigen, emotionslosen Stimme.
— Du zählst so gern fremde Einnahmen und redest darüber, wer wie verdient.
Lass uns deine Ausgaben einmal durchrechnen.
Galina Petrowna wurde wachsam.