— „Wir“ — wer ist das? — fragte Natalja mit einem spöttischen Lächeln.
— Borja, Dascha, mein Bruder, — zählte die Schwiegermutter ihre Verwandten auf.

— Na gut, Borja, er ist mein Mann, aber was haben dabei bitte Ihre Tochter und Ihr Bruder zu suchen?
— Dascha braucht Wohnraum, und deine Wohnung in Petersburg ist viel Geld wert.
Das reicht genau für ein Studio hier in Twer, und außerdem bleibt euch noch Geld für ein neues Auto übrig! — verkündete die Schwiegermutter, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
— Sehr witzig, Larisa Alexandrowna!
Eine Wohnung in Petersburg verkaufen, um für Ihre Tochter ein Studio zu kaufen!
Natascha lachte wirklich laut, warf den Kopf nach hinten.
Die Schwiegermutter saß mit steinernem Gesicht da und trommelte mit den Fingern auf den Tisch.
— Ich bin noch nicht fertig, — unterbrach Larisa Alexandrowna das Lachen mit eiskalter Stimme.
— Borja hat eine Vollmacht ausstellen lassen.
Du fährst einfach zum Notar, unterschreibst die Papiere, und damit ist die Sache erledigt.
Der Makler hat den Käufer schon gefunden.
Das Lachen brach so abrupt ab, wie es begonnen hatte.
Natascha stellte die Tasse mit dem inzwischen kalten Tee langsam auf den Tisch.
— Stopp.
Das heißt: Mein Mann, Ihr Sohn, hat schon eine Vollmacht zum Verkauf MEINER Wohnung ausstellen lassen?
Der Wohnung, die ich von meiner Großmutter bekommen habe?
Die in Petersburg? — Natascha betonte jedes Wort, als würde sie Nägel einschlagen.
— Und er hat es nicht einmal für nötig gehalten, das mit mir zu besprechen?
— Was gibt’s da zu besprechen? — Boris kam ins Wohnzimmer, die Augen im Handybildschirm versteckt.
— Mama hat recht.
Daschka ist unser eigenes Blut, sie ist fünfundzwanzig, sie mietet irgendwelche Ecken.
Und wir haben zwei Wohnungen, und deine alte in Petersburg fällt bald auseinander.
Das ist doch logisch.
— Logisch? — Natascha stand vom Tisch auf.
— Logisch wäre, wenn DU, Borja, deine Niere verkaufen würdest, um deiner Schwester eine Wohnung zu kaufen.
Aber nein, ihr habt entschieden, dass meine Petersburger Zweizimmerwohnung ein Durchgangshof ist?
Aus der Küche schwebte Dascha, die Schwägerin, herein, mit der Miene einer beleidigten Prinzessin.
— Natasch, warum tust du so, als wärst du nicht von uns? — zog sie kapriziös.
— Wir sind doch Familie.
Na und, eine Wohnung.
In Petersburg ist niemand mehr für dich da.
Und ich bin hier, in Twer, in der Nähe von Mama.
Du kannst dir nicht vorstellen, was für ein Studio ich mir ausgesucht habe!
Da gibt’s so Panoramafenster!
— Dascha, geh die Fenster putzen, — schnitt Natascha sie grob ab.
— Ich bin weder deine Bank noch ein Wohltätigkeitsfonds.
Du bist für mich niemand.
Du hast mir nicht mal zu Neujahr vernünftige Socken geschenkt — die waren eine Nummer zu klein.
— Maaaam! — Dascha schmollte und schaute zur Schwiegermutter.
Larisa Alexandrowna stand auf und zupfte ihren teuren Pullover zurecht.
— Also gut, Liebchen.
Wir haben es auf die nette Tour versucht.
Borja ist dein Mann, und Mann und Frau sind ein und derselbe Teufel.
Die Hälfte dessen, was in der Ehe erworben wurde, gehört ihm laut Gesetz.
Selbst wenn die Wohnung auf dem Papier dir gehört, ohne seine Zustimmung wirst du sie nicht verkaufen.
Aber er wird die Zustimmung geben.
Für den Verkauf.
Und das Geld kommt in den gemeinsamen Topf.
Und im gemeinsamen Topf haben wir alle, entschuldige, ein Stimmrecht.
Natascha spürte, wie in ihrer Brust eine eisige Wut hochkochte.
Ein halbes Jahr Karate hatte sie eines gelehrt: Wenn der Feind angreift, schlag zuerst — und so, dass er es nicht noch einmal versucht.
— Ach so ist das, — Natascha machte einen Schritt auf die Schwiegermutter zu, die instinktiv zurückzuckte.