— Hör zu, du alte Henne, — Nataschas Stimme wurde leise und zäh wie Sirup, — ich erklär dir jetzt die Lage.
Die Wohnung in Petersburg ist ein Erbe, das ich VOR der Ehe bekommen habe, und sie ist auf mich eingetragen.
Das ist mein persönliches Eigentum.
Borjas Unterschrift braucht man in den Papieren nur pro forma, aber wenn er meint, sich querzustellen, werde ich ihm ganz schnell in Erinnerung rufen, wer er eigentlich ist.
Dem Notar von dir genauso wie deinem Makler.
— Wie redest du mit Älteren?! — kreischte die Schwiegermutter.
— Und wie wagst du es, über mein Eigentum zu verfügen?! — brüllte Natascha so, dass Dascha zusammenzuckte.
— Dein Sohn, — sie zeigte mit dem Finger auf Boris, der krampfhaft so tat, als wäre er gar nicht hier, — kauft mir in fünf Ehejahren nur einmal im Jahr Blumen und ein Service auf Kredit, das du, Larisa, übrigens auch noch zerbrochen hast.
Und ICH finanziere dieses Haus!
ICH!
Und mein Auto habe ich mir selbst verdient!
Also schert euch mit euren „Familienräten“ dahin, wo der Pfeffer wächst.
— Das wirst du bereuen! — zischte die Schwiegermutter, packte ihre Tochter am Arm und steuerte zur Tür.
— Du wirst deinen Mann verlieren!
— Borja? — Natascha grinste und schaute ihren Mann an.
— Begleitest du sie oder wie?
Boris murmelte etwas Unverständliches und trottete seiner Mutter hinterher.
Die Tür knallte zu.
Eine Woche später.
Natascha hatte den Vorfall schon fast vergessen und ging ihren Dingen nach.
Am Samstagabend fuhr sie in den Supermarkt, lud die Tüten in den Kofferraum ihrer alten, aber gepflegten Honda und ging zur Fahrertür.
Und da schossen aus dem Nachbarwagen, einer grauen Lada, die Natascha zuvor nicht bemerkt hatte, zwei Gestalten wie Kugeln heraus.
Larisa Alexandrowna — wütend, mit einem Büschel grauer Haare, das sich aus der Frisur gelöst hatte — und Dascha, die in der Hand … eine Farbsprühdose hielt?
— Jetzt wirst du mir antworten, du Schlampe! — kreischte die Schwiegermutter und schwang ihre Tasche wie einen Rammbock.
— Du hast meinen Sohn in die Depression getrieben, er säuft seit Tagen!
— Das ist vor Freude, dass er euch seltener sieht, — antwortete Natascha ruhig und stellte die Tüten auf den Asphalt.
— Schau sie dir an, schau sie dir an, geschniegelt! — Dascha trat vor und hob die Dose.
— Jetzt besprüh ich dir die Karre, dann weißt du, wie sich Geiz anfühlt!
Dascha drückte auf den Sprühkopf, aber der rote Farbstrahl ging am Kotflügel vorbei — Natascha machte blitzschnell einen Schritt zur Seite und verließ die Angriffslinie.
Das Mädchen verlor das Gleichgewicht und lief aus Trägheit nach vorn.
— Ach du Miststück! — Larisa Alexandrowna holte mit der Tasche aus und zielte Natascha auf den Kopf.
Die Reaktion lief automatisch.
Ein halbes Jahr Drills im Dojo, Sparring, Schweiß, Schmerz und Erschöpfung — all das mündete in eine einzige klare Bewegung.
Natascha duckte sich, ließ die Tasche über ihren Kopf hinwegsausen, trat nach vorn und stieß die Schwiegermutter mit der Handfläche gegen die Brust.
Die japste auf und plumpste auf den Hintern — direkt in eine Pfütze.
— Mama! — kreischte Dascha, warf die nutzlose Dose weg und stürzte mit Fäusten auf Natascha los, zielte mit den Nägeln ins Gesicht.
Natascha blockte den Arm mühelos, drehte sich um die eigene Achse, stand hinter der Schwägerin und schubste sie ganz leicht, rein symbolisch, in den Rücken.
Dascha ruderte albern mit den Armen und fiel bäuchlings neben ihrer Mutter hin — mit dem Gesicht in dieselbe Pfütze.
Auf dem Parkplatz hing eine schrille Stille, unterbrochen nur vom Platschen des Wassers und dem Husten von Dascha, die Pfützenwasser geschluckt hatte.
Natascha klopfte sich die Hände ab, als würde sie Staub abschütteln, ging zu ihrem Auto, öffnete die Tür, drehte sich aber, bevor sie einstieg, noch einmal um.
— Larisa Alexandrowna, Daschenka, — sagte sie sanft und schaute die beiden Verwandten an, die in der Pfütze saßen.
— Nehmt das nächste Mal, wenn ihr einen Hinterhalt plant, jemanden Größeren mit.
Sonst schaue ich euch an und denke: Umsonst war ich ein halbes Jahr im Fitnessstudio.
Für euch hätte sogar Yoga aus dem Seminar „Energie der Schwiegermutter“ gereicht.
Sie setzte sich ins Auto, startete den Motor und fuhr vorsichtig um die flach auf dem Asphalt liegenden Damen herum.
Im Rückspiegel sah man, wie Larisa Alexandrowna versuchte aufzustehen, auf dem Nassen ausrutschte, und Dascha sich schmutziges Wasser, vermischt mit Mascara, aus dem Gesicht wischte.
Zu Hause empfing sie Boris, der tatsächlich verdächtig nüchtern und blass war.
— Warum bist du so zufrieden? — fragte er.
— Ach so, — Natascha streifte die Sneakers ab.
— Ich war mit Schwiegermutter und Schwägerin auf dem Parkplatz baden.
Sie härten sich ab.
Sie lassen dir Grüße ausrichten und haben gebeten, du sollst ihnen ein neues Auto kaufen.
Na ja, wenn du meine Petersburger Wohnung verkaufst.
Boris schluckte nervös und ging in die Küche.
Er wusste, dass jetzt sein „sehr“ kommen würde.
Boris hatte weniger Glück: Natascha brach ihm den Arm, als sie zum Würgegriff ansetzte.