So helfen wir wenigstens der Verwandtschaft.
— Eure Zweizimmerwohnung hast du von deinen Eltern bekommen, und ich bin dort nicht einmal gemeldet.
Ich bin dort niemand, — antwortete Nastja hart und kalt.
— Und das hier ist das letzte Geschenk der Frau, die mich großgezogen hat.
Ich werde die Erinnerung an sie nicht deiner Schwester überlassen.
Lena ist eine erwachsene Frau, sie soll selbst arbeiten gehen und sich eine Wohnung mieten.
Denis lief sofort rot vor Wut an.
Seine gutmütige Maske fiel ab und legte sein wahres Gesicht frei.
— Wie gierig du doch bist!
Ich dachte, wir wären eins, und du raffst nur alles für dich zusammen.
Meine Mutter hatte recht, als sie sagte, dass man dir nicht vertrauen kann.
Du bist eine gewöhnliche Egoistin!
— Richte deiner Mutter aus, dass mir ihre Meinung völlig gleichgültig ist, — Nastja streifte die Schuhe ab und ging ins Zimmer.
— Die Wohnung von Tante Nina bleibt meine.
Das Gespräch ist beendet.
Sie legte sich aufs Sofa und drehte sich zur Wand.
Sie hatte keine Kraft mehr, zu streiten und ihre eigene Wahrheit zu beweisen.
In den nächsten Wochen verwandelte sich ihr Leben in eine einzige Hölle.
Denis zermürbte sie mit ständigen Vorwürfen und kaltem Schweigen.
Die Schwiegermutter rief jeden Tag an und beschuldigte die Schwiegertochter der Gefühllosigkeit und Grausamkeit gegenüber Lenas kleinem Kind.
Auch die Schwägerin schickte lange, tränenreiche Nachrichten und appellierte an ihr Mitleid.
Nastja blockierte einfach ihre Nummern und stürzte sich ganz in die Arbeit, um ihren Schmerz irgendwie zu überstehen.
Eines Abends, als Nastja nach der Arbeit nach Hause kam, fand sie ihren Schlüsselbund für Tante Ninas Wohnung nicht mehr.
Denis zuckte unschuldig mit den Schultern und sagte, er habe nichts gesehen.
Zwei Tage später tauchten die Schlüssel in der Tasche ihrer Jacke wieder auf.
Nastja maß dem keine Bedeutung bei — im Stress nach der Beerdigung konnte sie sie wirklich dort hineingelegt und vergessen haben.
Die Zeit verging.
Als der Schmerz über den Verlust ein wenig nachließ, beschloss Nastja, in Tante Ninas Wohnung zu fahren, um in Ruhe alte Fotoalben und Erinnerungsstücke durchzusehen.
Sie trat an die vertraute Tür und drückte auf die Klingel.
Sie wollte die Nachbarn nur warnen, dass es etwas laut werden könnte, weil sie Sachen sortieren würde.
Doch die Tür flog unerwartet auf, und auf der Schwelle stand die breit lächelnde Lena.
Hinter ihr, im Flur, war ein fremder Mann in einem strengen Anzug mit einer Mappe voller Dokumente zu sehen.
— Oh, Nastjenka, hallo!