„Bitte, hier ist ein Klebeband, du Elender – kleb dein unbedeutendes Leben zusammen“, lachte die Schwiegermutter. Doch ihr Sohn öffnete ein Dokument auf dem Bildschirm.

Tamara Nikolajewna lächelte mit einem perfekten, porzellanartig glatten Lächeln, als sie mir das kleine, dunkelblaue, mit Samt überzogene Kästchen reichte.
In dem riesigen Saal des ländlichen Restaurants, beleuchtet von Kristalllüstern, die kaltes Glitzern auf die Wände warfen, verstummten plötzlich hundertfünfzig Menschen gleichzeitig.
Die Geschäftspartner meines Mannes, elegante Galeristen, lokale Beamte — alle wandten sich uns zu. Sogar die Musiker auf der Bühne unterbrachen ihre Melodie mitten in einer Phrase.
Die Luft wurde schwer, beinahe erstickend, als würde der ganze Raum den Atem anhalten und darauf warten, dass etwas zerbricht.
Ich nahm das Kästchen entgegen, ohne wirklich zu verstehen, was ich tat. Meine Finger zitterten, als ich es öffnete. Auf dem hellen Seidenfutter lag… eine einfache, graue Rolle Bauklebeband.
— Das ist für dich, Jancsika — sagte meine Schwiegermutter laut und genoss es, wie jedes Wort durch den Saal hallte. — Bitte sehr, ein bisschen Klebeband.
Vielleicht kannst du damit dein erbärmliches kleines Leben zusammenflicken. Denn heute wird mein Sohn endlich sehen, wer du wirklich bist.
Ein flüsterndes Murmeln breitete sich zwischen den Tischen aus. Mein Mund wurde trocken, meine Kehle schnürte sich zu. Ich stand dort mitten im Raum, in einem maßgeschneiderten Kleid, das sich plötzlich wie nichts anfühlte — nackt und schutzlos unter all den Blicken.
Und doch… damals wusste ich noch nicht, dass dieser Abend nicht von meinem Untergang handeln würde.
Drei Jahre zuvor wusste ich nicht einmal, wie diese Welt von innen aussah. Ich wuchs in einem grauen fünfstöckigen Haus am Stadtrand von Syzran auf. Meine Mutter, Nina, arbeitete tagsüber in einer Süßwarenfabrik,
wo ihre Hände ständig nach Zucker und Maschinenöl rochen, und abends putzte sie in einer Apotheke. Ihre Wolljacke trug immer eine seltsame Mischung aus Vanille und Chlor.
Sie war erst dreiundzwanzig, als sie starb. Die Ärzte zuckten nur mit den Schultern — ihr Körper hatte nach Jahren harter Arbeit ohne Ruhe einfach aufgegeben.
Ich blieb allein zurück.
Ich machte meinen Abschluss und bekam eine Stelle in der Abteilung für die Restaurierung seltener Bücher in der regionalen Bibliothek.
Ich liebte die Stille dort, den Geruch von altem Papier, die langsame, sorgfältige Arbeit. Dort gab es keinen Platz für Falschheit.
An einem kalten Novembertag knarrte die Tür.
Ilja stand in der Türöffnung. Ein einfacher grauer Pullover, das Haar vom Wind leicht zerzaust.
Er hatte die Tagebücher seines Urgroßvaters zur Restaurierung mitgebracht. Wir begannen zu reden — zuerst über Buchbinderei, dann über alles Mögliche. Fast eine Stunde verging, ohne dass wir es bemerkten.
Er war nicht so, wie ich mir einen reichen Erben vorgestellt hatte. Er setzte sich neben mich, trank kalten Tee aus einer angeschlagenen Tasse, hörte zu, lächelte… sah mich.
Wir verliebten uns schnell. Wir spazierten in Parks, kauften frische Brötchen in kleinen Bäckereien, lebten einfach. Doch eines Abends, nach einem halben Jahr, veränderte sich sein Blick.
— Jana… ich muss dich warnen — sagte er leise. — Meine Mutter ist besessen von Status. Sie wird dich nicht akzeptieren. Sie wird dich provozieren. Aber ich werde immer an deiner Seite stehen.
Damals lachte ich es weg.
Wie sehr ich mich geirrt hatte.