
„Meiner Schwester Lenka würde eine Wohnung jetzt wirklich nicht schaden.“
Nastja blieb im Flur wie erstarrt stehen und hielt die alten Schlüssel und die Dokumente fest in den Händen.

In ihr wurde alles kalt vor wilder Kränkung und erdrückender Müdigkeit.
Tante Nina hatte ihr die eigene Mutter ersetzt, sie großgezogen und ihr all ihre Liebe und Fürsorge geschenkt.
Nastja hatte sie gerade erst auf ihrem letzten Weg begleitet, und nun stand ihr Mann mitten im Zimmer und verteilte mit glänzenden Augen fremde Quadratmeter.
Dieser konsumorientierte Egoismus von Denis und seiner frechen Verwandtschaft zog sich schon seit Jahren hin, aber jetzt hatte er jede denkbare Grenze überschritten.
— Denis, hörst du dir eigentlich selbst zu? — Nastjas Stimme zitterte, aber sie zwang sich, ihrem Mann direkt in die Augen zu sehen.
— Tante Nina war für mich der engste Mensch überhaupt.
Und du verteilst ihre Wohnung schon an fremde Leute?
Warum sollte sie ausgerechnet deiner Schwester zufallen?
— Was ist denn schon dabei? — empörte sich ihr Mann aufrichtig und machte einen Schritt auf sie zu.
— Lena lässt sich von ihrem Mann scheiden, sie hat mit dem Kind keine Wohnung!
Wir sind eine Familie, wir sind verpflichtet, einander zu helfen.
Wir haben doch sowieso schon eine Zweizimmerwohnung, warum brauchen wir noch eine?
Sie zu vermieten bringt nur Probleme.