Mein Vater veranstaltete nie Familientreffen.

Zumindest nicht ohne vorher bereits eine Entscheidung getroffen zu haben.
Als er uns an einem Sonntagnachmittag ins Wohnzimmer rief, wusste ich sofort, dass etwas nicht stimmte.
Meine Mutter saß schweigend im Sessel.
Mein Bruder Eric stand am Kamin.
Neben ihm saß seine schwangere Frau Shannon.
Dann kam mein Vater direkt zur Sache.
„Wir müssen über die Wohnung in der Innenstadt sprechen.“
Mein Magen zog sich zusammen.
Es war die Wohnung, in der ich seit vier Jahren lebte.
Das alte Gebäude meines Großvaters.
„Eric und Shannon bekommen ein Baby“, erklärte mein Vater.
„Ihre Wohnung ist zu klein. Deshalb haben wir entschieden, dass sie deine Wohnung übernehmen werden.“
Ich starrte ihn an.
„Ihr habt entschieden?“
„Die Familie hat entschieden“, korrigierte er mich.
„Du ziehst bis Ende des Monats aus.“
Mein Bruder grinste.
„Mach es nicht kompliziert, Cassie.“
Meine Mutter nickte zustimmend.
Als wäre mein Zuhause etwas, das man einfach verschenken konnte.
Doch während sie über meinen Auszug sprachen, erinnerte ich mich an ein Gespräch mit meinem Großvater kurz vor seinem Tod.
Damals hatte er mich ins Krankenhaus gerufen.
„Das Gebäude geht an dich“, sagte er.
„Alle sechs Wohnungen.“
Ich dachte zuerst, ich hätte mich verhört.
Doch die Unterlagen waren bereits unterschrieben.
Notariell beglaubigt.
Rechtlich bindend.
Seit seinem Tod gehörte das gesamte Gebäude mir.
Nicht dem Familienfonds.
Nicht meinem Vater.
Mir.
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